Sonntag, 3. April 2011

Hörspiele, die noch ihrer Aufnahme harren. Teil 6: Hilfslernschwester Annelie


Annelie lebt in einem kleinen Städtchen an der Küste Ostfrieslands und führt ein pikantes Doppelleben: Tagsüber peitscht sie in einem Nobelpuff (bzw. „Edelbordell“, wie Annelie stets betont) gelangweilte Wirtschaftsbosse aus und erfüllt ihnen für Geld di- und perverse Wünsche, von denen deren Ehefrauen nichts wissen dürfen. Nachts jedoch ist sie der gute Geist vom Waisenhaus und verteilt Süßigkeiten und Lehrbücher an die Kinder. Außerdem bildet sie sich heimlich fort, um eines Tages ihren Traum, nämlich Kinderkrankenschwester zu werden, wahr werden zu lassen. Doch bis dahin gilt es einige Abenteuer zu bestehen, denn etliche ihrer gelangweilten BWL-Fuzzis von Kunden wollen, daß Annelie ihnen auch des Nachts zu Diensten sei. Pikante Situationen zwischen Schnuller und Lacklederstiefel sind also Legion. Natürlich müßte man daraus nicht unbedingt auch noch ein Hörspiel machen, aber der Kontrast zwischen den unschuldigen Kleinen im Waisenhaus und den perversen Kapitalistenschweinen, die es abreißen wollen sowie Annelies ständiges Lavieren zwischen beiden Welten füllte doch schon so manche Hörspiel-Stunde. Bislang sind folgende Geschichten erschienen:
  • Spurlos zerschunden
  • Doppelt geerdet
  • Fülliges Riesenroß
  • Wirklich blutig?
  • Verfehlung
  • Schweißnaß
Begeisterte Hörer wissen sich folgendermaßen über diese neue Serie zu äußern:

„Die Fortbildung ist ein fester Bestandteil Deutschlands.“ – Christian Wulff, Bundesdingsbums.
„Wenn ich nicht ständig Ausschau nach neuen Krokohandtäschchen, Kostümchen und Schühchen halten müßte, hätte ich vielleicht Zeit, mir das mal anzuhören. Außerdem lese ich lieber selbst statt zuzuhören.“ – Judith Rakers, Fernsehschönheit mit Lesekenntnissen.
„Auf jedem Schiff, wo’s segelt und dampft, sitzt einer beim Essen und schmatzet und mampft!“ – Dr. Guido Westerwelle, Dampf- und Segelplauderer.
„Noch Fragen, Kienzle?“ „Ja, Hauser: Sind Sie nicht schon längst tot?“ – Ulrich Kienzle und Bodo H. Hauser, Fernsehstreithähne, z. T. †.

Dienstag, 29. März 2011

Elegia Mortis

Überdrüssig des Lebens, der tödlichen Sehnsucht verfallen,
dachte er angestrengt nach, wie er bereitet den Tod:
„So soll es sein: Ästhetisch in Würde und ohne Entstellung
soll im Bade es sein.“ Erst aber sorgt’ er dafür
(unsittlich sein wollt’ er nicht), daß bestens er ausstaffiert heimging:
Maßanzug, seidenes Hemd und die Krawatt’ aus Paris.
Doch beim Erblicken der randvollen Wanne kamen Bedenken:
„Sinke ich langsam bloß, wird es ein Ende mit Qual!“
Strom sollte hier nun Erleichterung schaffen: „Ein Fön unter Wasser
brachte schon manchen zu Fall!“ Zweifel aufs neu kamen bald:
„Isolationen, die Strom daran hindern, mich zu befördern
jenseits von hier – was hilft’s? Dieses muß erstmal erprobt
– Vorsicht ist besser als Nachsicht! – an meinen Haustieren werden!“
So war bald gefüllt reichlich mit Katzen und Hund
jegliche Stelle im Starkstromgewässer. Nun aber sah er:
„Kein einz’ger Platz ist mehr frei: Domestiziertes Getier
sperrt mir den Weg zur Erlösung. Bleibt noch als einziger Ausweg
schießendes Eisen allein!“ Doch der Revolver war leer...
Tobend, so fand ihn ein Einbrecher dann: „Dein Geld will ich haben...“
„Inständig bitt’ ich dich: Nimm auch mein Leben mir fort!“
Aber der Räuber war wenig erfreut: „Wie soll ich dir helfen?
Du hast die Ruhe – und ich? Ich werd’ des Mordes verklagt!“
Sprach es und ließ dann zurück den Möchtegerntoten im Zorne:
„Niemals werd’ geben ich auf! Eile herbei, süßer Tod!“
Während er’s ruft, verspürt er im Leibe stechende Schmerzen.
Freudig bemerkt er die Pein: „Ist nicht hier dies ein Infarkt?“
Lächelnd, so stürzt er, das Ziel ist erreicht nach langwier’gen Mühen.
Hoffen wir, daß er im Tod glücklicher wird, als er’s hier!

Dienstag, 22. März 2011

Verkaufsrenner, die nicht sein durften


Ewald Knolle, (beinahe) berühmter Tiersexforscher, ist noch immer erbost darüber, spricht man ihn auf die Weigerung seines Verlages an, sein Aufklärungsbuch „Deine Wanze, das unbekannte Wesen“ zu veröffentlichen. Jahrelange Kleinarbeit im Wortsinne steckten in dem Manuskript, das mit reichlich Bildern illustriert war, worauf Feuerwanzen in allerlei kompromittierenden Posen zu sehen waren.

Donnerstag, 17. März 2011

Hörspiele, die noch ihrer Aufnahme harren. Teil 5: Point Witloof


Die drei Freunde Tim Dice, Derek de Wilde und Jasper Stoeverlinckx betreiben in einem kleinen Küstenstädtchen an der belgischen Ostküste eine kleine Friture. Ihr Motto lautet: „Point Witloof, die Friture, die heißt wie das Gemüse“. Leider befindet sie sich auf der Spitze eines stillgelegten Leuchtturms, so daß sich nur selten Kundschaft dorthin verläuft. Daher haben die drei Jungs reichlich Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, beispielsweise dem Ausprobieren neuer Rezepte. Die Momente, die sie nach dem Genusse ihrer Speisen nicht im Krankenhause oder auf der Toilette verbringen, nutzen sie aber auch, um ihrer geheimen Tätigkeit als Jungdetektive nachzukommen. Leider sind sie nach nunmehr 30 Folgen immer noch nicht auf die Lösung ihres ersten Falles gestoßen, wer denn immer ihr Frittenfett ranzig werden läßt und warum ihre Pralinen in der Sonne an Form verlieren. Dennoch eine sehr empfehlenswerte Serie vor allem für Heranwachsende, denn die drei lösen ihre Probleme nicht mit Gewalt, sondern mit Gänseschmalz, und da sie überdies zu dumm sind, ihre Fälle selbst zu lösen, wird der Zuhörer zum Mitraten gezwungen und schläft nicht schon nach der Hälfte ein, wie das bei anderen Serien (z. B. die drei †††) beabsichtigt wird. Eine kleine Auswahl bisher erschienener Folgen:

  • Der Keller der 22 Fritten
  • Das rote Ketchup des Teufels
  • Die Schachtel der letzten Pralinen
  • Das Haus der vergammelten Schnitzel
  • Tief in den nördlichen Kohlfeldern
  • Im Bann des Totenchicorée
  • Die Kammer der armen Ritter
  • Das Geheimnis des Naschwerkdiebes
  • Der steinerne Kuchen
  • Die blutenden Filetspitzen
  • Der Duft der Auflaufform
  • Pralinen der Pest
  • Der Rezeptkünder (Doppelfolge)
Was sagen ausgewählte Hörer dieser Serie über selbige?

„Die Jungs haben nicht nur die Pfanne heiß, sondern auch ihre Friteuse!“ – Oliver Kalkofe, Fernseh-Fettmops und -Kritiker
„Hahaha, kennen sie den schon? Kommt ein Belgier in eine Frittenbude…“ – Mario Barth, Witze-Wiederverwerter
„Für gute Pommes frites ist eine ordentlich gewartete Friteuse alternativlos!“ – Angela Merkel, Bundesumweltministerin a. D.
„Wer behauptet, daß die ihre Lebensmittel färben, gehört verklagt!“ – Gerhard Schröder-Köpf, Journalistinnengatte

Samstag, 12. März 2011

Wenn man in Vorlesungen zu faul ist, sich alles aufzuschreiben. Teil 9:

Für in byzantinischer Geschichte nicht Bewanderte: Nikephoros II. Phokas war von 963 bis 969 byzantinischer Kaiser. Liutprand von Cremona war Diplomat in den Diensten Kaiser Ottos I. und später Bischof von Cremona. Er leitete eine Gesandtschaft, die u. a. eine „in Purpur geborene Prinzessin“ aus Byzanz als Braut für Ottos Sohn aushandeln sollte. Jedoch war diese Mission nicht von Erfolg gekrönt, und voll Bitterkeit darüber verfaßte Liutprand seine „Relatio de legatione Constantinopolitana“, worin er Nikephoros als ungepflegten, schweinsäugigen und durchweg unwürdigen und unfähigen Herrscher darstellt. Beim byzantinischen Historiker Leon Diakonos hingegen wird ein vollkommen anderes Bild des Kaisers gezeichnet.

Dienstag, 8. März 2011

Von der Traufe in den Regen

Karneval steht vor der Tür –
da kann er gerne bleiben!
Ins Haus laß ich ihn nicht zu mir.
Ich möcht ihn gern vertreiben!

Doch mein Gegner bleibt der Sieger,
kann länger hier nicht bleiben!
Ich besteige einen Flieger
und sag adieu zum tollen Treiben.

Nun sitz ich hier schon seit vier Tagen
am matschgen Sandstrand, und es regnet.
Hätte sollen vorher fragen,
womit Petrus mich hier segnet!

Donnerstag, 3. März 2011

Hart aber ungerecht

Die fünfköpfige Jury des umstrittenen frühneuzeitlichen öffentlichen Wettbewerbes „Kleinstaat sucht die Superhexe“ erwies sich in den meisten Fällen als weniger kopf- als vielmehr herzlos, und ihre Entscheidungen, die in den seltensten Fällen Hand und Fuß hatten, wurden oft in paganen Kreisen kritisiert.

Sonntag, 27. Februar 2011

Auf dem See (Was Goethe verschwieg)

Und frisches Wasser, neue Flut
schöpf ich aus meinem Boot.
Ich schwitze Wasser, schwitze Blut
vor Angst in meiner Not.
Mit jeder Welle sinkt der Kahn
im Rudertakt hinab.
Der Rettung Chance ist vertan,
gar feucht wird sein mein Grab.

Boot, mein Boot, was sinkst du nieder?
Rettungsring, wo bist du wieder?
Weit das rettend Ufer weilt,
was das Baden mir vergreult.

Will noch nicht ertrinken,
tausend schwimmende Meilen
trennt mein Leben vom Sinken –
Zeit nicht, hier zu verweilen!
Helligkeit entstehet,
gibt mir wieder die Sicht.
Boot ganz untergehet,
sehe wieder dich nicht.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Hörspiele, die noch ihrer Aufnahme harren. Teil 4: Kreuzberger TKKG (neue Serie)


Nachdem schon den drei ??? Ablegerserien in Form von den drei !!!! und den drei ??? Kids sowie zeitweise den DR3i zugedacht wurden, wird nun auch TKKG endlich Zuwachs bekommen: Kreuzberger TKKG (sprich: TüKüKüGü), die neue Serie, die auch unterprivilegierte Immigrantenkinder ansprechen soll. Dazu wurde der Ort der Handlung von der nicht näher benannten Millionenstadt Hamburg nach Berlin-Kreuzberg verlegt. Dort haben die vier Freunde Pusat, genannt Tarkan, Kaan der Kompjuter, Veli, wegen seiner Fettleibigkeit mit dem Spitznamen Kilolu belegt, sowie Gökselen, von ihren Freunden Göksi, Schlampe oder Hure gerufen, allerhand Abenteuer zu bestehen: Hauptschule schwänzen, Gymnasiasten verprügeln, Christen verspotten, sich fünfmal täglich auf den Teppich gen Mekka werfen – die Möglichkeiten dieser Serie scheinen schier unbegrenzt, ganz wie das pulsierende Leben in Berlin-Kreuzberg! Die Namen einiger bereits eingesprochener Folgen sickerten bereits durch, und wie bei der Originalserie wird man auch hier damit rechnen dürfen, daß sie kaum etwas mit dem Inhalt zu tun haben werden!

– Hinterhalt im Ramazan
– Das Grauen naht aus Weißensee
– Alarm! Kilolu ist geplatzt!
– Schüsse aus der 9a
– Überfall im Dönerladen
– Hülfe! Göksi ist geschminkt
– Der doppelte Öğüş
– Wer hat Tarkans Mutter verführt?
– Lösegeld in Schöneberg
– Im Schattenreich des Dr. Mutluhan

Erste Reaktionen von ausgewählten Testhörern sind auch schon publik geworden:

„Die Hörspiele sind unsere Bücher, die Kassettenrekorder unsere Stereoanlagen!“ – Recep Tayyip Erdoğan, gemäßigter türkischer Politiker
„So wertvoll wie ein kleines Kopftuchmädchen.“ – Thilo Sarrazin, radikaler deutscher Buchschreiber und Politiker (SPD)
„Das kommt mir irgendwie bekannt vor.“ – Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Doktor der Jurisprudenz (nobilitatis causā)
„Wir haben nach Hörspielen gerufen, und dieser Mist ist herausgekommen.“ – Max Frisch, z. Z. †

Donnerstag, 17. Februar 2011

Aus der Schmierblattsammlung

Gemalte Musik und die daraus resultierenden, ebenso gemalten möglichen Folgen für Schüler, die im Musikunterrichte allzu lange damit gepiesackt werden, physischer wie psychischer Natur.