Samstag, 15. Januar 2011

Szenen einer Ehe. Teil 6

Divorcio

Mit meiner Frau, die widerlich,
hatt ich es nie leicht;
und deshalb nämlich habe ich
die Scheidung eingereicht.

Ich höre sie laut drohen,
darauf schmutzig lachen.
Ich find es unverfroren,
was sie will mit mir machen:

Ums Haus mir wegzustehlen,
will sie mich erschießen,
die Tat dann zu verhehlen,
im Kellergwölb einschließen!

Ich flüchte mich zum Anwalt,
zu Freunden, zum Notar,
schließlich in den Tannwald,
(wo’s auch mal ruhiger war).

Jetzt kannst du mich suchen,
garstge Kunigunde,
mit Schreien und mit Fluchen
aus deinem giergen Schlunde.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Das Fenster zum Hof


Falschparker vor der Haustüre aufzuschreiben mag eine spannende Beschäftigung für Gelangweilte sein; man sollte jedoch nicht vergessen, daß es noch anderes im Leben gibt.

Sonntag, 9. Januar 2011

Verspätete Neujahrsvorsätze


Man muß nicht ganze Wälder abholzen, nur um ständig einen guten Vorsatz fürs neue Jahr vor Augen zu haben.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Hörspiele, die noch ihrer Aufnahme harren. Teil 1: Die drei Laberleichen und der Schwatz der Mönche

Die drei Schüler Pluto (46), Paul (49) und Baumeister (45) aus dem kleinen Küstenort Bitchy Rock in der Nähe der Filmstadt Los Tacheles betreiben schon seit ihrer Kindheit ein Detektivbüro, brachten jedoch aufgrund ihrer Dumm-, Faul- und Trägheit weder einen Fall noch ihre Schullaufbahn zu einem Abschlusse. Statt dessen arbeiten die drei zumeist für Plutos Tante und Onkel, Clothilde und Vespasian, die einen illegalen Jungbrunnen betreiben. Auch der neuste Fall der drei „Jungs“ verspricht wieder aufregend lange Mono- und Dialoge, an einer Stelle sogar ein Streitgespräch mit bis zu fünf Teilnehmern gleichzeitig! Denn auch, wenn ihre Klienten weitgereiste Bettelmönche aus dem Kali-Gandaki-Tal sind, lassen sich die drei niemals die Butter vom Brote nehmen, wenn es darum geht, das letzte Wort zu behalten!


Langeweile in Bitchy Rock! Pluto, Paul und Baumeister sitzen gerade zu einem gemütlichen Plausch bei Käsesahne- und Schwarzwälder Kirschtorte vereint beisammen, als das Telefon klingelt und die Unterhaltung stört. Doch bald ist aller Ärger darüber vergessen, denn am Apparat ist ein neuer Klient für die drei Detektive! Die Knüppelmönche aus dem Kali-Gandaki-Tal in Nepal haben ihre Heimat verlassen, um ausgerechnet im Großraum Los Tacheles einen neuen Anführer für ihre Sekte zu finden. In einer Vielzahl langwieriger Gespräche fragen sich die drei Laberleichen durch ihr Abenteuer, diskutieren über Wiedergeburt, Überbevölkerung und Käsesahnetortenkonsistenzen, liefern sich eifrige Wortgefechte mit eloquenten Schurken und kommen mehr als einmal vom Thema ab – ob sie es schaffen werden, den Mönchen zu helfen, bevor die CD voll ist?

Sonntag, 26. Dezember 2010

Eine Winterballade

Die Wolke schob sich dermaleinst
gar mitten vor die Sonnen
und schickte drauf hinab zur Erd
den Schnee – und das in Tonnen.

Doch ach, war das Gejammer groß,
der Mensch wollt gar nichts Weißes:
„O liebes Wetter“, hub er an,
„ich hätt doch gern was Heißes!“

Die Wolke zog beleidigt fort
und ließ die Sonne scheinen.
Doch fing darauf der Schnee gleich an
zu schimpfen und zu greinen:

„So brenne mir nicht auf den Pelz“,
sprach er im Ton, im barschen,
„ich schmilze doch schon obenrum –
du willst mich wohl verharschen?“

Die Sonne zog beleidigt fort
und wollte nicht mehr wärmen,
die Wolke kehrte drauf zurück
und schickte Schnee in Schwärmen.

Was fingen nun die Menschen an
die Massen Schnees zu räumen,
und konnten doch in Eiseskält
von Sonnenwärm nur träumen.

Ach, wollte nur der dumme Schnee
die Sonne nie empören!
Nun ist sie fort, und unsre Klag
wird sie nun nimmer hören!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Wenn der Durst dich überfällt…


Gerolstein ist weithin berühmt für sein schmackhaftes, hochwertiges Mineralwasser, und im romantischen Städtchen selbst findet man selbst in solch an sich trostlosen Orten wie dem Bahnhofe an einem munter sprudelnden Quell die Aufforderung, doch einmal von diesem sagenhaften Wässerchen zu kosten.

Montag, 29. November 2010

Szenen einer Ehe. Teil 5

Stupidità

„Kunigunde, Kunigunde,
du redest vieles Zeugs vergebens;
Dummheit dringt aus deinem Munde,
o du Schatten meines Lebens!“

Oft schon hätt ich dies
laut gern vorgebracht,
wenn du wieder fies
über mich gelacht.

Doch muß ich mich vorsehn
vor deiner festen Faust.
Was mag wohl in dir vorgehn,
wenn du mich verhaust?

Dummheit ist dein Leben,
voller Dunkelheit.
Du willst mir Hiebe geben –
längst bin ich dich leid!

Dienstag, 23. November 2010

Fotoretusche rustikal

Dank modernster Technik ist es heute kein Problem mehr, Fotografien zu retuschieren. Technisch weniger begabte Personen greifen jedoch noch immer zu recht rustikalen Methoden.

Dienstag, 16. November 2010

Politik, die durch den Magen geht


Die Frage, ob ein Negerkuß oder Mohrenkopf heutzutage politisch korrekt noch als solcher bezeichnet werden darf oder ob man sich nicht lieber der Ausdrücke Schokokuß, Schaumkuß, Schwedenbombe oder Bumskopf bedienen sollte, ist den meisten Verbrauchern herzlich egal.

Dienstag, 2. November 2010

Verwählt

Ein Telefon läutet
Person 1 nimmt den Hörer ab Hallo?
Person 2 sprudelt aus dem Telefonhörer 実はお願いがあるのですが
Person 1 Verzeihung, ich habe Ihren Namen nicht richtig mitbekommen, könnten sie ihn freundlicherweise wiederholen?
Person 2 hat nicht bemerkt, daß sie sich offenbar verwählt hat und redet munter weiter 残暑厳しき折から、貴店ますますご発展のこととお慶び申し上げます。日頃は格別のお引き立てをいただき、ありがたく御礼申し上げます。
Person 1 langsam argwöhnisch Äh… Ich glaube, Sie sind hier nicht so ganz richtig – sprechen Sie denn kein Deutsch?
Person 2 munter fort wie ein Wasserfall 秋暑厳しき候、貴社ますますご盛栄のこととお慶び申し上げます。平素は当店を御利用いただき御厚情のほど、心より御礼申し上げます。
Person 1 wird allmählich wütend Herrgott, das ist ja zum Verrücktwerden! Mir bluten gleich die Ohren! Was soll das denn? Ich muß mir so was ja wohl nicht anhören!
Person 2 kommt langsam ein wenig außer Atem, da sie schon sehr viel geredet hat, ohne auch nur einmal Luft zu holen 暮夏の候、貴社いよいよご清祥のこととお慶び申し上げます。毎度格別のお引き立てを賜り、厚く御礼申し上げます。
Person 1 läuft rot an und fängt an zu zittern, brüllt SIE HABEN SICH VERWÄHLT!!! LASSEN SIE MICH IN RUHE!!!
Person 2 bemerkt ihren Irrtum 末筆ながらご一同様にくれぐれもよろしく申し上げてください。legt auf
Person 1 hat sich wieder ein wenig beruhigt, starrt aber wie irre auf das Telefon Morgen zieh’ ich dir den Stecker raus!