Ein großes Dankeschön, lieber Gott, dafür, daß ich meinen letzten Skiurlaub heil überstanden habe – abgesehen von einem kleinen Schlüsselbeinbruch... Ein mittleres Dankeschön dafür, daß beim letzten Hochwasser nur mein Hobbykeller mitsamt der Eisenbahnanlage überflutet wurde. Und schließlich noch ein ganz kleines Dankeschön dafür, daß meine Schwiegermutter ihre Lungenentzündung heil überstanden hat.Samstag, 15. Mai 2010
Dreifacher Dank
Ein großes Dankeschön, lieber Gott, dafür, daß ich meinen letzten Skiurlaub heil überstanden habe – abgesehen von einem kleinen Schlüsselbeinbruch... Ein mittleres Dankeschön dafür, daß beim letzten Hochwasser nur mein Hobbykeller mitsamt der Eisenbahnanlage überflutet wurde. Und schließlich noch ein ganz kleines Dankeschön dafür, daß meine Schwiegermutter ihre Lungenentzündung heil überstanden hat.Freitag, 14. Mai 2010
Die Leiden des modernen F.
Was nützet mir Philosophie
oder gar Theologie!
Juristerei und Medizin –
nutzlos sind sie meinem Mühn:
Ich stehe vor verschloßnem Tor,
weil die Schlüssel ich verlor.
Mag heißen ich Professor gar
(dies schon seit dem zehnten Jahr),
herauf jedoch und quer und krumm
rutsch suchend ich am Grund herum,
blick nach Schlüsseln wütend brennend,
bislang jedoch nicht finden könnend.
Ja, schau nur höhnend, Mondenschein,
auf meine Schwernis, meine Pein!
So such ich noch nach Mitternacht,
wenn alles schläft; bloß ich, der wacht.
Oh, daß außer Kippen und Papier
die Schlüssel bloß erschienen mir!
oder gar Theologie!
Juristerei und Medizin –
nutzlos sind sie meinem Mühn:
Ich stehe vor verschloßnem Tor,
weil die Schlüssel ich verlor.
Mag heißen ich Professor gar
(dies schon seit dem zehnten Jahr),
herauf jedoch und quer und krumm
rutsch suchend ich am Grund herum,
blick nach Schlüsseln wütend brennend,
bislang jedoch nicht finden könnend.
Ja, schau nur höhnend, Mondenschein,
auf meine Schwernis, meine Pein!
So such ich noch nach Mitternacht,
wenn alles schläft; bloß ich, der wacht.
Oh, daß außer Kippen und Papier
die Schlüssel bloß erschienen mir!
Donnerstag, 13. Mai 2010
Erste Hilfe
Mittwoch, 12. Mai 2010
Haalt Är Stad proper!
Dienstag, 11. Mai 2010
Pürierstäbe können Leben retten!
Kennt eigentlich außer mir noch jemand das Gefühl, daß es ungemein in den Fingern kribbelt, wenn man sich irgend etwas Neues kauft, ein Haushaltsgerät etwa, und sich fieberhaft überlegt, zu welchem Zwecke man es augenblicklich gebrauchen könnte? Ein Staubsauger ist – angesichts Staub anziehender und wahrscheinlich auch noch heimlich selbst produzierender Wohnungen und Zimmer – noch recht unproblematisch, denn Schmutz gibt es immer. Und solange das Gerät noch neu ist, blitzt und blinkt auch die Wohnung in staubfreiem Glanze.
Bohrmaschinen, Heißkleber und Pürierstäbe sind allerdings schon ungünstigere Anschaffungen, da Bohrlöcher ebenso schwierig zum Verschwinden gebracht werden können wie Heißverklebtes getrennt und Püriertes wieder zusammengefügt werden kann.
Doch Schelm, der ich bin: Für ganz desperate Fälle kommt mir gerade ein Gesellschaftsspiel in den Sinn, worin ein Pürierstab eine zentrale Rolle spielt. In meiner Zivildienstzeit arbeitete ich nämlich in einem Altenheime. Und im Alter verliert man nicht nur die Haare und oft genug leider auch Würde und Verstand, sondern desgleichen die Zähne, so daß das Essen der betroffenen Person quasi vorgekaut werden muß. Einmal kam ich selbst in den Genuß einer pürierten Bratwurst, und ich stellte fest: Mit der Form verliert vieles Essen auch seinen typischen Geschmack.
Dies gilt es nun auszunutzen: Man lade sich eine Clique guter Freunde ein, bereite ein festlich Nachtmahl zu, zerkleinere das Ganze mit dem Pürierstabe und veranstalte sodann mit den Besuchern ein lustiges Speisenraten. Man kann aber, wenn man entweder säumig, sparsam oder gar sadistisch veranlagt ist, überdies Reste und Abfälle mahlen. Man stelle sich jemandes dummes Gesicht vor, der gerade erfahren hat, daß das hochgelobte angebliche Trüffelparfait in Wahrheit eine Ansammlung geschredderter Kartoffelschalen war. Gänzlich garstige Personen können selbstverständlich auch Kerbtiere oder Ähnlicherlei untermischen. So schafft ein neuer Pürierstab allerhand Kurzweil.
Möchte man jedoch seinen Mitmenschen mit Sicherheit auf die Nerven fallen, so schaffe man sich eine Videokamera an: Jedes noch so unwichtige Ereignis aus naher oder ferner Verwandtschaft (Taufe, Kommunion, Firmung, Hochzeit, Priesterweihe, Beichte, letzte Ölung, Beerdigung) sowie diverse Urlaube werden auf Zelluloid – oder wie das Zeugs auch immer heißen mag – gebannt. Zudem besteht heutzutage auch die Möglichkeit, den ganzen Kram digital zu speichern, was aber auch nicht viel besser ist, denn es ist schließlich nichts Schmeichelhaftes, was ich über Amateurregisseure zu schreiben habe:
„Das ist doch eine schöne Erinnerung, wenn man sich das in ein paar Jahren wieder ansieht!“ erschallt der Gesangverein der Hobbyfilmer in gräßlicher Dissonanz, eine ungezählte Schar falscher Töne und unwahrer Worte von sich gebend; denn was soll bitte „schön“ daran sein, wenn man nur scheußliche, verwackelte, unterbelichtete Bilder ohne saubere und logische Schnitte oder seine Ungeschicklichkeit immer und immer wieder unter dem gehässigen Gelächter seiner Mitmenschen vorgeführt bekommt? Schließlich landet die Kamera in einer finsteren Truhe, denn man stellt fest, daß ein Filmabend mit Selbstgedrehtem, und damit meine ich jetzt keine Rauchwaren, noch öder ist als ein Diaabend.
Reizvoller hingegen ist das Betrachten alter Fotografien. Zwar ist eigentlich das Erste, was dabei auffällt, daß die fotografierte Person doch arg an Pfunden an ungünstigen Stellen zugelegt hat und, um mit Heinz Erhardt zu sprechen, im Laufe der Haare die Stirn mit dem Verstande wuchs. Aber es warten auch immer wieder Überraschungen auf den aufmerksamen Betrachter, so daß einem bisweilen nach Jahren Dinge auffallen, die vorher unbehelligt in den dunklen Taschen des Mantels der Geschichte Unterschlupf fanden. Auch ich darf mich brüsten, mit einer solchen Pretiose aufwarten zu können: Auf einer Klassenfahrt in die Toskana fotografierte ich von demselben Standpunkte aus verschiedene Ecken eines Amphitheaters. Als es mir einmal gefiel, meine Wohnung zu verzieren – dreieinhalb Meter hohe Wände ließen mir viel Gestaltungsfläche –‚ wühlte ich auch meine alten Bilder durch und entdeckte, daß ich die oben erwähnten Aufnahmen zu einer Art Panorama zusammensetzen konnte. Eine feine Sache, denn jedesmal wenn ich Besuch hatte und uns der Gesprächsstoff ausging, konnte ich auf die Bildergruppe verweisen. Damit waren wenigstens die nächsten fünf Minuten gerettet. Hat man schon einmal gehört, daß man Videofilme auf diese Art zusammenkleben und gelangweilten Gästen präsentieren könnte? Zudem ist das Fernsehen ein Mörder des Gespräches, und ewiges Hin- und Herspulen, wenn Schlüsselszenen verpaßt wurden oder gar Unmutsäußerungen des Vorführers bei unbedarften Kommentaren der Zuschauer sind Gift für jede Geselligkeit. Nein, mit einer Kamera gewinnt man keine Freunde!
Wenn also schon angespartes Geld für ein überflüssiges Kleinod aus der Technikwelt das Porte-Monnaie zum Platzen zu bringen droht, sollte man sich ein mp3-Abspielgerät zulegen, das man dann mit Hörbüchern füllt (für den Fall, daß man zu faul zum Lesen oder desselben unkundig ist) oder mit Hörspielen. Nostalgiker greifen hier zu den alten Folgen zum Beispiel der drei Laberleichen oder von Super-Tim und den nutzlosen Drei, als Tim noch Tarzan hieß und Tarzans Papa den Papa von Tarzans Freundin spielte. Natürlich muß vorher ein fähiger Kassettenrekorder an den heimischen PC angeschlossen werden und die alten Schätze aus der Rumpelkammer vom Eisenoxidband ins Binäre überführt werden. Das dauert zwar seine Zeit, aber vor jedem Vergnügen sollte erst einmal ein gerüttelt Maß an Arbeit stehen.
Als das mp3-Prinzip noch nicht so ausgereift und verbreitet war und die Firma Sony noch nicht verbockt und verbiestert die Welt mit ihrer Lizenz- und Kopierschutztechnik schurigelte, leistete ich mir einmal den Luxus, ein Mini-Disc-Aufnahmegerät zuzulegen, denn ich hielt dieses System für überzeugend und praktisch: Diese putzigen kleinen, gern in buntes Plastik gehüllten Scheiben konnten sehr viel Gedöns aufzeichnen, und die Abspielgeräte waren teilweise kleiner als Zigarettenschachteln. Nur die Eingabe der Musiktitel war eine furchtbar fummelige Angelegenheit. Fortan hörte man mich nächtelang meine CD-Sammlung durchwühlen und -hören, um mir genehme Titel von zwanzig verschiedenen Silberlingen (abschreckendes Beispiel für ein doofes Synonym für CD) zusammenzustellen. Zumal wenn man im Besitze vieler Singles war, lohnte sich derlei rasch. Oder man nannte eine Unzahl Kompilationen sein Eigen, worauf sich jedoch allerlei Firlefanz befindet, so daß man hier eigenmächtig die Spreu vom Weizen zu trennen befähigt war und belangloses Zeug auf nicht mehr gehörten Scheiben verrotten lassen konnte.
Nun, da ich meine CD-Sammlung und Fäulnis erwähnte, stelle ich fest, daß sich in meinen Regalen in der Tat allerlei gewesenes, nun verwesendes Leben verewigt hat. Tragisch, daß vielen talentierten Musikanten zu Lebzeiten der große Erfolg oder wenigstens eine künstlerisch wertvolle Karriere versagt blieb und sie erst postum einer größeren Hörerschaft musikalisches Vergnügen bereiten dürfen. Um so mehr freut eine solche Laufbahn natürlich die Hinterbliebenen und die Plattenfirmen.
Eva Cassidy ist so ein Beispiel; sie weilte schon fünf Jahre nicht mehr unter den Lebenden, als ihre erste Single auf den Markt kam, eine wunderschöne Version von „Fields of Gold“, im Originale von Sting. Melanie Thornton, zuvor von Frank Farian bei „La Bouche“ eingesetzt, wurde ein abstürzendes Flugzeug bei ihrer Promotion für ihr erstes Soloalbum „Ready to Fly“ (sic!) zum Verhängnis. (Hier möchte ich anmerken, daß ich es für eine Geschmacklosigkeit halte, daß die Plattenfirma unter die Fotografie der Sängerin auf einer Single ein „koffeinhaltig“ setzte. So genau will der Zuhörer auch nicht über die Zersetzungsprozesse seiner toten Idole informiert werden!) Desgleichen stürzte Sängerin Aaliyah, die allzu vertrauensselig ein überladenes Luftfahrzeug mit bekifftem Flugzeugführer erklommen hatte, mit eben diesem ab. Mehr als ein halbes Jahr später erstand die Entschlafene auf der Kinoleinwand wieder auf und spielte selbstredend eine Untote. „Im nin‘alu“, tönt mir Ofra Haza aus ihrem kühlen, feuchten Grabe entgegen. Doch halt! Das ist einmal wieder zu eurozentrisch gedacht, denn besagte Dame war Israelin und wird vielmehr in einem heißen, trockenen Grabe liegen. Schon vor längerer Zeit ist Mama Cass von den Mamas & Papas verstorben, wahrscheinlich der einzige Popstar, dem man nachsagt, sich zu Tode gefuttert zu haben.
Hoppla! Ich nehme das zuvor Geschriebene zurück, denn mir fällt gerade noch ein, daß der Schlagzeuger (glaube ich zumindest) der Rocktruppe „Toto“ sich vermittels selbstangebauten Salates, den er allzu reichlich mit Schneckengiften bedacht hatte, ins Jenseits beförderte. Ich vermute, das todbringende Zeugs war neu gekauft, und auch dieser Mensch verspürte dieses Kribbeln in den Fingern, das ihn dazu anhielt, das Gift auf der Stelle und etwas großzügiger als nötig anzuwenden. Hätte er dagegen einen Pürierstab erworben, wäre dieses Trauerspiel unterblieben, und es wären zweierlei Leckereien auf dem Tische gelandet.
Anmerkung für fromme Katholiken: In diesem Texte sind fünf Sakramente versteckt!
Bohrmaschinen, Heißkleber und Pürierstäbe sind allerdings schon ungünstigere Anschaffungen, da Bohrlöcher ebenso schwierig zum Verschwinden gebracht werden können wie Heißverklebtes getrennt und Püriertes wieder zusammengefügt werden kann.
Doch Schelm, der ich bin: Für ganz desperate Fälle kommt mir gerade ein Gesellschaftsspiel in den Sinn, worin ein Pürierstab eine zentrale Rolle spielt. In meiner Zivildienstzeit arbeitete ich nämlich in einem Altenheime. Und im Alter verliert man nicht nur die Haare und oft genug leider auch Würde und Verstand, sondern desgleichen die Zähne, so daß das Essen der betroffenen Person quasi vorgekaut werden muß. Einmal kam ich selbst in den Genuß einer pürierten Bratwurst, und ich stellte fest: Mit der Form verliert vieles Essen auch seinen typischen Geschmack.
Dies gilt es nun auszunutzen: Man lade sich eine Clique guter Freunde ein, bereite ein festlich Nachtmahl zu, zerkleinere das Ganze mit dem Pürierstabe und veranstalte sodann mit den Besuchern ein lustiges Speisenraten. Man kann aber, wenn man entweder säumig, sparsam oder gar sadistisch veranlagt ist, überdies Reste und Abfälle mahlen. Man stelle sich jemandes dummes Gesicht vor, der gerade erfahren hat, daß das hochgelobte angebliche Trüffelparfait in Wahrheit eine Ansammlung geschredderter Kartoffelschalen war. Gänzlich garstige Personen können selbstverständlich auch Kerbtiere oder Ähnlicherlei untermischen. So schafft ein neuer Pürierstab allerhand Kurzweil.
Möchte man jedoch seinen Mitmenschen mit Sicherheit auf die Nerven fallen, so schaffe man sich eine Videokamera an: Jedes noch so unwichtige Ereignis aus naher oder ferner Verwandtschaft (Taufe, Kommunion, Firmung, Hochzeit, Priesterweihe, Beichte, letzte Ölung, Beerdigung) sowie diverse Urlaube werden auf Zelluloid – oder wie das Zeugs auch immer heißen mag – gebannt. Zudem besteht heutzutage auch die Möglichkeit, den ganzen Kram digital zu speichern, was aber auch nicht viel besser ist, denn es ist schließlich nichts Schmeichelhaftes, was ich über Amateurregisseure zu schreiben habe:
„Das ist doch eine schöne Erinnerung, wenn man sich das in ein paar Jahren wieder ansieht!“ erschallt der Gesangverein der Hobbyfilmer in gräßlicher Dissonanz, eine ungezählte Schar falscher Töne und unwahrer Worte von sich gebend; denn was soll bitte „schön“ daran sein, wenn man nur scheußliche, verwackelte, unterbelichtete Bilder ohne saubere und logische Schnitte oder seine Ungeschicklichkeit immer und immer wieder unter dem gehässigen Gelächter seiner Mitmenschen vorgeführt bekommt? Schließlich landet die Kamera in einer finsteren Truhe, denn man stellt fest, daß ein Filmabend mit Selbstgedrehtem, und damit meine ich jetzt keine Rauchwaren, noch öder ist als ein Diaabend.
Reizvoller hingegen ist das Betrachten alter Fotografien. Zwar ist eigentlich das Erste, was dabei auffällt, daß die fotografierte Person doch arg an Pfunden an ungünstigen Stellen zugelegt hat und, um mit Heinz Erhardt zu sprechen, im Laufe der Haare die Stirn mit dem Verstande wuchs. Aber es warten auch immer wieder Überraschungen auf den aufmerksamen Betrachter, so daß einem bisweilen nach Jahren Dinge auffallen, die vorher unbehelligt in den dunklen Taschen des Mantels der Geschichte Unterschlupf fanden. Auch ich darf mich brüsten, mit einer solchen Pretiose aufwarten zu können: Auf einer Klassenfahrt in die Toskana fotografierte ich von demselben Standpunkte aus verschiedene Ecken eines Amphitheaters. Als es mir einmal gefiel, meine Wohnung zu verzieren – dreieinhalb Meter hohe Wände ließen mir viel Gestaltungsfläche –‚ wühlte ich auch meine alten Bilder durch und entdeckte, daß ich die oben erwähnten Aufnahmen zu einer Art Panorama zusammensetzen konnte. Eine feine Sache, denn jedesmal wenn ich Besuch hatte und uns der Gesprächsstoff ausging, konnte ich auf die Bildergruppe verweisen. Damit waren wenigstens die nächsten fünf Minuten gerettet. Hat man schon einmal gehört, daß man Videofilme auf diese Art zusammenkleben und gelangweilten Gästen präsentieren könnte? Zudem ist das Fernsehen ein Mörder des Gespräches, und ewiges Hin- und Herspulen, wenn Schlüsselszenen verpaßt wurden oder gar Unmutsäußerungen des Vorführers bei unbedarften Kommentaren der Zuschauer sind Gift für jede Geselligkeit. Nein, mit einer Kamera gewinnt man keine Freunde!
Wenn also schon angespartes Geld für ein überflüssiges Kleinod aus der Technikwelt das Porte-Monnaie zum Platzen zu bringen droht, sollte man sich ein mp3-Abspielgerät zulegen, das man dann mit Hörbüchern füllt (für den Fall, daß man zu faul zum Lesen oder desselben unkundig ist) oder mit Hörspielen. Nostalgiker greifen hier zu den alten Folgen zum Beispiel der drei Laberleichen oder von Super-Tim und den nutzlosen Drei, als Tim noch Tarzan hieß und Tarzans Papa den Papa von Tarzans Freundin spielte. Natürlich muß vorher ein fähiger Kassettenrekorder an den heimischen PC angeschlossen werden und die alten Schätze aus der Rumpelkammer vom Eisenoxidband ins Binäre überführt werden. Das dauert zwar seine Zeit, aber vor jedem Vergnügen sollte erst einmal ein gerüttelt Maß an Arbeit stehen.
Als das mp3-Prinzip noch nicht so ausgereift und verbreitet war und die Firma Sony noch nicht verbockt und verbiestert die Welt mit ihrer Lizenz- und Kopierschutztechnik schurigelte, leistete ich mir einmal den Luxus, ein Mini-Disc-Aufnahmegerät zuzulegen, denn ich hielt dieses System für überzeugend und praktisch: Diese putzigen kleinen, gern in buntes Plastik gehüllten Scheiben konnten sehr viel Gedöns aufzeichnen, und die Abspielgeräte waren teilweise kleiner als Zigarettenschachteln. Nur die Eingabe der Musiktitel war eine furchtbar fummelige Angelegenheit. Fortan hörte man mich nächtelang meine CD-Sammlung durchwühlen und -hören, um mir genehme Titel von zwanzig verschiedenen Silberlingen (abschreckendes Beispiel für ein doofes Synonym für CD) zusammenzustellen. Zumal wenn man im Besitze vieler Singles war, lohnte sich derlei rasch. Oder man nannte eine Unzahl Kompilationen sein Eigen, worauf sich jedoch allerlei Firlefanz befindet, so daß man hier eigenmächtig die Spreu vom Weizen zu trennen befähigt war und belangloses Zeug auf nicht mehr gehörten Scheiben verrotten lassen konnte.
Nun, da ich meine CD-Sammlung und Fäulnis erwähnte, stelle ich fest, daß sich in meinen Regalen in der Tat allerlei gewesenes, nun verwesendes Leben verewigt hat. Tragisch, daß vielen talentierten Musikanten zu Lebzeiten der große Erfolg oder wenigstens eine künstlerisch wertvolle Karriere versagt blieb und sie erst postum einer größeren Hörerschaft musikalisches Vergnügen bereiten dürfen. Um so mehr freut eine solche Laufbahn natürlich die Hinterbliebenen und die Plattenfirmen.
Eva Cassidy ist so ein Beispiel; sie weilte schon fünf Jahre nicht mehr unter den Lebenden, als ihre erste Single auf den Markt kam, eine wunderschöne Version von „Fields of Gold“, im Originale von Sting. Melanie Thornton, zuvor von Frank Farian bei „La Bouche“ eingesetzt, wurde ein abstürzendes Flugzeug bei ihrer Promotion für ihr erstes Soloalbum „Ready to Fly“ (sic!) zum Verhängnis. (Hier möchte ich anmerken, daß ich es für eine Geschmacklosigkeit halte, daß die Plattenfirma unter die Fotografie der Sängerin auf einer Single ein „koffeinhaltig“ setzte. So genau will der Zuhörer auch nicht über die Zersetzungsprozesse seiner toten Idole informiert werden!) Desgleichen stürzte Sängerin Aaliyah, die allzu vertrauensselig ein überladenes Luftfahrzeug mit bekifftem Flugzeugführer erklommen hatte, mit eben diesem ab. Mehr als ein halbes Jahr später erstand die Entschlafene auf der Kinoleinwand wieder auf und spielte selbstredend eine Untote. „Im nin‘alu“, tönt mir Ofra Haza aus ihrem kühlen, feuchten Grabe entgegen. Doch halt! Das ist einmal wieder zu eurozentrisch gedacht, denn besagte Dame war Israelin und wird vielmehr in einem heißen, trockenen Grabe liegen. Schon vor längerer Zeit ist Mama Cass von den Mamas & Papas verstorben, wahrscheinlich der einzige Popstar, dem man nachsagt, sich zu Tode gefuttert zu haben.
Hoppla! Ich nehme das zuvor Geschriebene zurück, denn mir fällt gerade noch ein, daß der Schlagzeuger (glaube ich zumindest) der Rocktruppe „Toto“ sich vermittels selbstangebauten Salates, den er allzu reichlich mit Schneckengiften bedacht hatte, ins Jenseits beförderte. Ich vermute, das todbringende Zeugs war neu gekauft, und auch dieser Mensch verspürte dieses Kribbeln in den Fingern, das ihn dazu anhielt, das Gift auf der Stelle und etwas großzügiger als nötig anzuwenden. Hätte er dagegen einen Pürierstab erworben, wäre dieses Trauerspiel unterblieben, und es wären zweierlei Leckereien auf dem Tische gelandet.
Anmerkung für fromme Katholiken: In diesem Texte sind fünf Sakramente versteckt!
Montag, 10. Mai 2010
Erzwungenes Idyll
Sonntag, 9. Mai 2010
Erbaulich und beweiskräftig

Der Campanile des Florentiner Domes ist zwar ein meisterliches Bauwerk, aber die Lieben und Bösen daheim müssen auch harte Beweise für das herrliche Urlaubswetter vorgelegt bekommen. Da dies das letzte Foto des letzten Filmes war, kann man dieses Bild durchaus als zweckmäßigen Kompromiß bezeichnen.
Samstag, 8. Mai 2010
Ovids Metamorphosen modernisiert. Teil 2:
LEONES IN TEMPORE MAGIS
Von Pyramus war lang bekannt,
daß reizend er die Thisbe fand;
auch umgekehrt die Liebe galt,
was deren Eltern merkten bald.
Des Nachwuchs’ Minne sie nicht litten,
da sie hefigst warn zerstritten:
Des Nachbars Blumen weckten Neid,
die Gartenzwerge schließlich Streit.
So kämpfte man per Jus seit Jahren,
wo jene aufzustellen waren.
Doch half der Zufall beiden nach,
denn der beiden Schlafgemach
war nur getrennt durch eine Wand,
die störend bloß im Wege stand.
Jedoch – was merkt die Liebe nicht? –
die Mauer war nicht gänzlich dicht!
Indessen gingen durch die Risse
Worte nur, gehauchte Küsse.
So wollten dann nach langen Tagen
den lang erdachten Plan sie wagen:
Zu treffen sich dort drauß im Dunkeln
bei Mondenschein und Sternenfunkeln.
„Gegen neun verlaß ichs Haus,
geh zu den Maulbeerbäumen raus
und wart auf dich am großen Stein“,
sprach Thisbe, und so sollt es sein.
Nach Pyramus sah man sie spähn,
doch kam er nicht – bald schlug es zehn.
Einsam war sie noch um elf,
solo wartet sie um zwölf.
„O Pyramus, Geliebter mein,
warum kannst du nicht pünktlich sein?“
Da hört von fern sie ein Geräusch:
„Na warte, Freund, dir zeig ichs gleich!“
Doch kam der Lärm nicht von dem Mann –
Löwen traten grimm heran…
Um eins der Pyramus entwischt –
er fand den Haustürschlüssel nicht.
Aber am versprochnen Ort
sah er, daß die Thisbe fort.
Er fand bloß einen Fetzen Stoff,
der von frischem Blute troff.
„O des Finstern böse Macht!
Ins Unglück zwei stürzt eine Nacht!
Ob meiner rannte ins Verderben
die Thisbe, mußte deshalb sterben.
Hier kann es kein Verzeihen geben,
so kann ich länger nicht mehr leben!“
Den Dolch nahm hierauf er zur Hand
zu tilgen die verschuldte Schand.
Doch noch vor dem ersten Stechen
hört er Thisbes Stimme sprechen:
„O Pyramus, Geliebter mein,
halte mit dem Selbstmord ein!
Des Schleiers blutig-rote Spur
stammt von einem Schafe nur!
Löwen haben mich gejagt,
so hab ichs Rendezvous vertagt!“
Der Pyramus zuerst noch stutzt,
sogleich jedoch sagt er verdutzt:
„O Thisbe, du Geliebte mein,
nächstens werd ich pünktlich sein!“
Von Pyramus war lang bekannt,
daß reizend er die Thisbe fand;
auch umgekehrt die Liebe galt,
was deren Eltern merkten bald.
Des Nachwuchs’ Minne sie nicht litten,
da sie hefigst warn zerstritten:
Des Nachbars Blumen weckten Neid,
die Gartenzwerge schließlich Streit.
So kämpfte man per Jus seit Jahren,
wo jene aufzustellen waren.
Doch half der Zufall beiden nach,
denn der beiden Schlafgemach
war nur getrennt durch eine Wand,
die störend bloß im Wege stand.
Jedoch – was merkt die Liebe nicht? –
die Mauer war nicht gänzlich dicht!
Indessen gingen durch die Risse
Worte nur, gehauchte Küsse.
So wollten dann nach langen Tagen
den lang erdachten Plan sie wagen:
Zu treffen sich dort drauß im Dunkeln
bei Mondenschein und Sternenfunkeln.
„Gegen neun verlaß ichs Haus,
geh zu den Maulbeerbäumen raus
und wart auf dich am großen Stein“,
sprach Thisbe, und so sollt es sein.
Nach Pyramus sah man sie spähn,
doch kam er nicht – bald schlug es zehn.
Einsam war sie noch um elf,
solo wartet sie um zwölf.
„O Pyramus, Geliebter mein,
warum kannst du nicht pünktlich sein?“
Da hört von fern sie ein Geräusch:
„Na warte, Freund, dir zeig ichs gleich!“
Doch kam der Lärm nicht von dem Mann –
Löwen traten grimm heran…
Um eins der Pyramus entwischt –
er fand den Haustürschlüssel nicht.
Aber am versprochnen Ort
sah er, daß die Thisbe fort.
Er fand bloß einen Fetzen Stoff,
der von frischem Blute troff.
„O des Finstern böse Macht!
Ins Unglück zwei stürzt eine Nacht!
Ob meiner rannte ins Verderben
die Thisbe, mußte deshalb sterben.
Hier kann es kein Verzeihen geben,
so kann ich länger nicht mehr leben!“
Den Dolch nahm hierauf er zur Hand
zu tilgen die verschuldte Schand.
Doch noch vor dem ersten Stechen
hört er Thisbes Stimme sprechen:
„O Pyramus, Geliebter mein,
halte mit dem Selbstmord ein!
Des Schleiers blutig-rote Spur
stammt von einem Schafe nur!
Löwen haben mich gejagt,
so hab ichs Rendezvous vertagt!“
Der Pyramus zuerst noch stutzt,
sogleich jedoch sagt er verdutzt:
„O Thisbe, du Geliebte mein,
nächstens werd ich pünktlich sein!“
Freitag, 7. Mai 2010
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