
Dienstag, 26. Juli 2011
Carola von Abwasch-Flause und Carl Georg Friedrich Theobald von und zu Hohenrössern geben hochadelige Haushaltstips. Teil 2

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Samstag, 23. Juli 2011
Auf welche Ideen Deutschlehrer ihre Schüler mit unbedachten Äußerungen bringen
Waschmaschinenbedienungsanleitung
Ich gehör zur Waschmaschine
und sag dir, wie man sie bediene:
Erst, soweit noch nicht geschehen,
mußt du dir sie gut besehen:
Mitten vorn das Bullenauge,
oben dann das Fach für Lauge;
gleich daneben ohne Zahl
Knöpfe für die Waschgangswahl.
Doch drücke nie auf „Start“ voll Wucht,
sonst rate ich zu schneller Flucht:
Aus Waschmaschinen ungeschlossen
hat sich schon manche Flut ergossen!
(Frage also vor Gebrauch:
Zahlt es die Versich’rung auch?)
Ist dies geklärt, dann ist ein Muß
der Waschmaschine Stromanschluß.
Doch warne ich vor Feuchtigkeit,
die im Keller stark verbreit’!
Das Wasser soll aus Schläuchen fließen,
und nicht von außen sich ergießen!
Auch Tenside sind vonnöten,
um die Flecken abzutöten!
Nützlich, aber ohne Zwang
ist zum Schluß der Schleudergang!
Sieh, wie sich die Wäsche windet,
wenn Mechanik hart sich schindet.
Fertig schon nach zehn Minuten,
kannst zum Trockner du dich sputen.
Ich gehör zur Waschmaschine
und sag dir, wie man sie bediene:
Erst, soweit noch nicht geschehen,
mußt du dir sie gut besehen:
Mitten vorn das Bullenauge,
oben dann das Fach für Lauge;
gleich daneben ohne Zahl
Knöpfe für die Waschgangswahl.
Doch drücke nie auf „Start“ voll Wucht,
sonst rate ich zu schneller Flucht:
Aus Waschmaschinen ungeschlossen
hat sich schon manche Flut ergossen!
(Frage also vor Gebrauch:
Zahlt es die Versich’rung auch?)
Ist dies geklärt, dann ist ein Muß
der Waschmaschine Stromanschluß.
Doch warne ich vor Feuchtigkeit,
die im Keller stark verbreit’!
Das Wasser soll aus Schläuchen fließen,
und nicht von außen sich ergießen!
Auch Tenside sind vonnöten,
um die Flecken abzutöten!
Nützlich, aber ohne Zwang
ist zum Schluß der Schleudergang!
Sieh, wie sich die Wäsche windet,
wenn Mechanik hart sich schindet.
Fertig schon nach zehn Minuten,
kannst zum Trockner du dich sputen.
Dienstag, 19. Juli 2011
Carpe diëm!

Freitag, 15. Juli 2011
Szenen einer Ehe. Teil 7
Regresso
„Kunigund macht warm von unt.“
So lautet es bei Bauern.
Ich jedoch seh ohne Grund
die Exfrau auf mich lauern.
Seit der Scheidung vor zwei Jahren
droht Terror sie per Telefon.
Eines ihrer Worte waren:
„Warte, Wicht, dich krieg ich schon!“
So schleiche ich durch alle Gassen
erst, wenn alles nächtlich grau.
Ständig sehe ich sie fassen
nach meinem Leben zielgenau!
Doch was hab ich grad erblickt:
Meine Ex, mit Schirm dazu!
Auch sie beim Treffen erst erschrickt –
doch nun kommt sie auf mich zu!
Mit dem Schirm haut sie mich wund –
er ist schon ganz verbogen!
Kunigund macht warm von unt?
Mich macht sie kalt von oben!
„Kunigund macht warm von unt.“
So lautet es bei Bauern.
Ich jedoch seh ohne Grund
die Exfrau auf mich lauern.
Seit der Scheidung vor zwei Jahren
droht Terror sie per Telefon.
Eines ihrer Worte waren:
„Warte, Wicht, dich krieg ich schon!“
So schleiche ich durch alle Gassen
erst, wenn alles nächtlich grau.
Ständig sehe ich sie fassen
nach meinem Leben zielgenau!
Doch was hab ich grad erblickt:
Meine Ex, mit Schirm dazu!
Auch sie beim Treffen erst erschrickt –
doch nun kommt sie auf mich zu!
Mit dem Schirm haut sie mich wund –
er ist schon ganz verbogen!
Kunigund macht warm von unt?
Mich macht sie kalt von oben!
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Dienstag, 12. Juli 2011
Carola von Abwasch-Flause und Carl Georg Friedrich Theobald von und zu Hohenrössern geben hochadelige Haushaltstips. Teil 1

Donnerstag, 7. Juli 2011
Hörspiele, die noch ihrer Aufnahme harren. Teil 9: Die Telegraphen-Tiger

Manchmal ereilt sogar Jugendliche ein Geistesblitz: Wie war das eigentlich, als es noch keine Mobiltelefone gab, man Telefone vielmehr ankurbeln mußte, Facebook noch der örtliche Pranger auf dem Marktplatze war? Womit beschäftigte sich die Generation unserer Groß-, wenn nicht gar Urgroßeltern Jahrzehnte vor dem Ei-Pott, als mp3-Dateien noch unkomprimiert auf riesigen schwarzen rotierenden Vinyl- oder Schellack-Scheiben lagerten? Und nicht jeder konnte es sich leisten, keinen Bauernhof zu haben, wo man es sich nicht leisten konnte, dem süßen Nichtstun zu frönen! Womit beschäftigte sich also die dekadente Bourgeoisie des frühen zwanzigsten Jahrhunderts? Schließlich war nicht immer Krieg! Was also sorgte für Zerstreuung? Bücher waren gewiß auch hier und da in Mode, waren jedoch der gleichzeitgen Erbauung durch Näh-, Stick- oder Strickarbeiten hinderlich. Und die Zeit mußte sinnvoll genutzt werden, schließlich war bald doch wieder Krieg, und die damalige Lebenserwartung lag auch noch weit unter der heutigen.
Wie wohl nur wenigen nach dem Lesen dieses Beitrages bekannt sein wird, gab es bereits damals Hörspiele, die jedoch leider in den seltensten Fällen erhalten blieben. Meistens wurden sie vermittels eines Blechdosentelefons vor Publikum improvisiert und sind daher für immer verloren. Jedoch tauchten überraschend im Archiv des Hörspielverlages Ur-Opa etliche Folgen der verschollen geglaubten Jugendserie „Die Telegraphen-Tiger“ wieder auf und sollen nach entsprechender Überarbeitung bald auch den Weg in gut sortierte Kaufhäuser finden. Wer sich hinter dem Pseudonym des Verfassers, Manfred Mantikor, verbirgt, ist nicht klar, offensichtlich ist aber, daß diese Serie vor allem zur geistig-moralischen Erbauung des Publikums dienen sollte. Vier Kinder aus Köln (oder wie es damals hieß: Cöln) erleben ein Abenteuer nach dem anderen, die sie jedoch durch den geschickten Einsatz ihrer mobilen Telegraphen stets zu einem guten Ende bringen
Bei diesen vier Kindern handelt es sich einmal um Stephan Seitz, genannt Brösel, weil sein Vater eine Zuckerbäckerei hat. Von diesem hat er auch seine Leidenschaft für das Telegraphieren, denn Vater Seitz hat eine eigene kleine Telegraphenstation, wo er Bestellungen beim Müller aufgibt, aber auch Wünsche seiner Kunden entgegennimmt. Frau Seitz ist vor etlichen Jahren bei der Explosion des Backofens ums Leben gekommen.
Matthias Blöder, genannt Mattes, ist so etwas wie der Anführer der vier. Er interessiert sich vor allem für Kriegslehre und Kolonialkunde. Jedoch begeistert auch er sich für das Telegraphieren und hat sich vorgenommen, einmal ein Gerät zu entwickeln, mit dem man bis nach Deutsch-Südwestafrika telegraphieren kann!
Maximilian Müller, genannt Kartoffel, weil er der ungeschlagene Meister des Sackhüpfens ist, ist die Sportskanone der vier Freunde. Egal ob Speerwerfen, Tonfranzosenschießen oder stundenlanges Im-Kreis-Marschieren: Mit der Kondition dieses Teufelskerls könnte es höchstens ein preußischer Gardeoffizier aufnehmen! Er ist überdies Catharinas Bruder.
Catharina Müller, genannt Pottwal, weil sie immer so tranig ist, ist das einzige weibliche Mitglied der Bande und soll durch ihr stetes Fehlverhalten andere Mädchen von dergleichen abhalten: Egal ob es um die Weigerung geht, alleine den Abwasch zu übernehmen, um Dazwischenreden, wenn Männer sich unterhalten oder um spätes Ausgehen ohne männliche Begleitung: Die junge Dame ist ein nie versiegender Quell der Peinlichkeiten für ihren Bruder und den Rest ihrer Familie.
Überdies noch eine wichtige Rolle spielen Vater Seitz, genannt Senex, der den Kindern immer in technischen Dingen hilft, sofern es sich ums Telegraphieren handelt, und Karol Jablonsky, ein Nachkomme polnischer Einwanderer, dem die Telegraphen-Tiger einst aus einer mißlichen Lage halfen.
Unter den wiederaufgefundenen Folgen sind folgende Titel, ob weitere Folgen, hängt von den Funden im Ur-Opa-Archiv ab:
Wie wohl nur wenigen nach dem Lesen dieses Beitrages bekannt sein wird, gab es bereits damals Hörspiele, die jedoch leider in den seltensten Fällen erhalten blieben. Meistens wurden sie vermittels eines Blechdosentelefons vor Publikum improvisiert und sind daher für immer verloren. Jedoch tauchten überraschend im Archiv des Hörspielverlages Ur-Opa etliche Folgen der verschollen geglaubten Jugendserie „Die Telegraphen-Tiger“ wieder auf und sollen nach entsprechender Überarbeitung bald auch den Weg in gut sortierte Kaufhäuser finden. Wer sich hinter dem Pseudonym des Verfassers, Manfred Mantikor, verbirgt, ist nicht klar, offensichtlich ist aber, daß diese Serie vor allem zur geistig-moralischen Erbauung des Publikums dienen sollte. Vier Kinder aus Köln (oder wie es damals hieß: Cöln) erleben ein Abenteuer nach dem anderen, die sie jedoch durch den geschickten Einsatz ihrer mobilen Telegraphen stets zu einem guten Ende bringen
Bei diesen vier Kindern handelt es sich einmal um Stephan Seitz, genannt Brösel, weil sein Vater eine Zuckerbäckerei hat. Von diesem hat er auch seine Leidenschaft für das Telegraphieren, denn Vater Seitz hat eine eigene kleine Telegraphenstation, wo er Bestellungen beim Müller aufgibt, aber auch Wünsche seiner Kunden entgegennimmt. Frau Seitz ist vor etlichen Jahren bei der Explosion des Backofens ums Leben gekommen.
Matthias Blöder, genannt Mattes, ist so etwas wie der Anführer der vier. Er interessiert sich vor allem für Kriegslehre und Kolonialkunde. Jedoch begeistert auch er sich für das Telegraphieren und hat sich vorgenommen, einmal ein Gerät zu entwickeln, mit dem man bis nach Deutsch-Südwestafrika telegraphieren kann!
Maximilian Müller, genannt Kartoffel, weil er der ungeschlagene Meister des Sackhüpfens ist, ist die Sportskanone der vier Freunde. Egal ob Speerwerfen, Tonfranzosenschießen oder stundenlanges Im-Kreis-Marschieren: Mit der Kondition dieses Teufelskerls könnte es höchstens ein preußischer Gardeoffizier aufnehmen! Er ist überdies Catharinas Bruder.
Catharina Müller, genannt Pottwal, weil sie immer so tranig ist, ist das einzige weibliche Mitglied der Bande und soll durch ihr stetes Fehlverhalten andere Mädchen von dergleichen abhalten: Egal ob es um die Weigerung geht, alleine den Abwasch zu übernehmen, um Dazwischenreden, wenn Männer sich unterhalten oder um spätes Ausgehen ohne männliche Begleitung: Die junge Dame ist ein nie versiegender Quell der Peinlichkeiten für ihren Bruder und den Rest ihrer Familie.
Überdies noch eine wichtige Rolle spielen Vater Seitz, genannt Senex, der den Kindern immer in technischen Dingen hilft, sofern es sich ums Telegraphieren handelt, und Karol Jablonsky, ein Nachkomme polnischer Einwanderer, dem die Telegraphen-Tiger einst aus einer mißlichen Lage halfen.
Unter den wiederaufgefundenen Folgen sind folgende Titel, ob weitere Folgen, hängt von den Funden im Ur-Opa-Archiv ab:
- Jugendterror im Badesee
- Katzendiebe aus Fernost
- Das Ding mit den Essensmarken
- Blitzkrieg mit den Kutschenmardern
- Der Nachtschattenfeldzug
Sonntag, 3. Juli 2011
Hier stünde normalerweise eine aussagekräftige Überschrift
Ich bevorzuge die Nacht zum Arbeiten. Dies hat vielerlei praktische Gründe, denn wenn man einen gescheiten Gedanken zu einem ebenso gescheiten Ende bringen möchte, so bietet die Nacht hierzu die nötige Ruhe. Nicht umsonst heißt es „stille Nacht, heilige Nacht“! Verkehrslärm ist so gut wie keiner mehr vorhanden, kein lästiges Kerbgetier schwirrt um einen herum ... nun, das muß ich wohl zurücknehmen, Motten und Stechmücken bilden natürlich die Ausnahmen – ziemlich unangenehme Ausnahmen, versteht sich. Das Fernsehen, das von mir ohnehin zumeist gemieden wird, disqualifiziert sich mit seinem seichten Nacht-/Nacktprogramm als Unterhaltung selbst, und Bücher, zumal spannende, wollen von mir meist in einem Durchgange zu Ende gelesen werden, was mit blutrot unterlaufenen Augen morgens um vier oder fünf Uhr seinen Ausklang findet.
Zudem unterbindet Nachtarbeit mittels Schlafunterdrückung solch dämliche Träume, wie mir erst neulich wieder einer über die Hirnrinde geisterte: Ich fuhr mit einer Bergaufbahn in Österreich aufwärts. Wobei Bergaufbahn eigentlich ein blödes Wort ist, das es wohl auch gar nicht gibt. Ich ziehe hiermit meinen Neologismus zurück und benutze das bereits vorhandene Wort Bergbahn, denn wenn eine Bahn bergauf fährt, muß sie ja irgendwann auch wieder bergab fahren. Genau das tat meine Traumbahn jedoch nicht; vielmehr fuhren wir immer höher, bis die Kirchturmspitzen der Bergdörfer schon im Wortsinne umwölkt waren. Ich entsinne mich auch noch meines Ausbruches von Panik, denn ich habe fürchterliche Höhenangst, und die Bahntrasse war einspurig und ähnelte in ihrem Aufbaue einer Sprungschanze beim Skispringen. Zu allem Ungemache gesellte sich auch noch ein rauher Bergwind hinzu, so daß ich es vorzog aufzuwachen. Somit werde ich wohl nie erfahren, wohin die Reise denn ging – vielleicht zur Himmelspforte? Es wäre mir aber ein sehr unangenehmer Gedanke zu wissen und am Ende gar verkünden zu müssen, daß der Himmel ausgerechnet über Österreich läge. Nicht daß ich etwas gegen dieses Land oder seine Bewohner vorzubringen hätte, aber ein klein wenig lokalpatriotisch bin ich doch schon und zöge es vor, den Himmel über meiner Heimat zu wissen.
Für Österreich dagegen sprechen die hübsch gestalteten Euro-Münzen, von deren Vielfalt an Motiven wir Deutschen uns ruhig eine Scheibe hätten abschneiden können, statt Blattwerk mit einer sichtlich verschämt hervorlugenden Eichel auf Metall zu bannen. Unsäglich auch diese Mistforke mit der Quadriga obendrauf, die wohl für Deutschlands Einheit stehen soll, aber einfach nur ein furchtbares Bauwerk, lange Zeit schamhaft verhüllt, in Berlin ist. Hätten wir nicht Goethe, Bach oder meinetwegen auch Käte Strobel portraitieren können? Nein, dort prangt unsere fürchterliche fette Henne, deren Zuschnitt unverkennbar in der Kohl-Ära liegt.
„Das eingesetzte Geliermittel Agar-Agar ist rein pflanzlich.“ Dieser Satz auf meiner Lakritztüte, die ich gerade vor mir liegen habe und zu leeren gedenke, bringt mich auf vielerlei Gedanken meinen Chemieunterricht betreffend. Meine Chemielehrerin war ein herrliches Eifelanergewächs, was sich vor allem in aufreibenden Situationen äußerte: „Wat macht ihr mir füren Sauerei mitte methanolische KOH?! Wat steht ihr all hier vorn rum? Geht nach hinten, und zieht euch euer Schutzbrillen an! Un wenn die Weiber da hinten endlich mal aufhören würden zu gacksen, könnte ma heut och ma anfangen!“ Aus unerfindlichen Gründen wählte ich später Chemie als Leistungskurs, was sich spätestens zu dem Zeitpunkte, als ich mich aufgrund falscher Riechtechnik am Ether aus eigener Herstellung selbst berauschte und zu Boden schickte, als Fehlentscheidung entpuppte.
Eine Fehlentscheidung hinsichtlich einer Telefonnummer ist auch recht unangenehm, zumal für den Angerufenen. Meist kommen solche Telefonate auch just in recht prekären Situationen, etwa beim Spülen, während des Milchüberkochen- bzw. Wasserlassens oder gar beim Duschen. Eiliges Herumrennen in der Wohnung in Fensternähe ohne Bekleidung mag vielleicht spannende Nachbarn beglücken, eine infolge eines Fehlrufes zugezogene Lungenentzündung jedoch wollte ich nicht auf meinem Gewissen haben. Wenn Falschwähler wenigstens den Schneid hätten, kurz zu sagen, daß sie sich verwählt hätte, doch nein, blitzschnell liegt der Hörer auf der Gabel und wird zwecks erneuten Terrors wieder emporgehoben. „Rrring! Rrring!“ ertönt es dann am anderen Ende der Leitung. Menschen mit einer Türklingel, die in ähnlicher Manier sich äußert, laufen hier gar Gefahr, nackend die Tür zu öffnen und für alle Zeit in der Nachbarschaft wie ein Aussätziger behandelt zu werden! Ich entsinne mich, daß ich einmal in einem solchen Zustande ganz in Gedanken einem Versicherungsmakler die Tür öffnete. Entsetzte Blicke trafen mich, und nach einem kurzen, aber doch zu langen Augenblicke des Innehaltens schlug ich die Tür wieder zu, um mir etwas überzustreifen. Ich bekam übrigens keinerlei Angebote von der Versicherung.
Aber die meisten Telefone haben heute ohnehin einstellbare, höchst unterschiedliche Klingeltöne, die ganz bestimmt nicht mit der Türklingel verwechselt werden können, und eine Türklingel, die durch ein einfaches „Dingdong!“ Eintritt begehrende Menschen ankündigt, leistet ebenso ihr Scherflein im Sinne der Verwechslungsgefahrsbannung. Dieses Wort hätte Mark Twain sicher gefallen, um es als abschreckendes Beispiel der Komplexität deutscher Sprache anzuführen. Der braucht aber gar nicht zu mosern, denn so kompliziert unsere Sprache ist, so primitiv scheinen amerikanische Telefone zu sein: Selbst wenn sie neusten Baujahres sind, geben sie noch ihr altmodisches „Rrring! Rrring!“ von sich, was nicht auf hochgradige Diffizilität der Fernsprecher schließen läßt. Das weiß ich von amerikanischen Filmen und Serien. Vielleicht ist das aber auch nur eine Festlegung der Synchronstudios, eine DIN zur Synchronisation ausländischer Telefone. Die Türklingeln der Filme und Serien hingegen geben in der synchronisierten Fassung immer nur „Dingdong!“ von sich. Das ist vielleicht auch zur auch intellektuellen Entlastung des deutschen Publikums (bzw. deutschsprachigen, denn Schweizer, Österreicher, Luxemburger, Liechtensteiner, Belgier und Namibianer dürfen selbstverständlich auch zusehen), damit es nicht etwa durcheinanderkommt, wenn jemand nach einem „Rrring! Rrring!“ an die Tür geht; auch wenn es solche Klingeltöne, wie oben beschrieben, gibt. Doch im Fernsehen hat alles seine Ordnung. Daher sind Menschen auch weniger verwirrt, wenn sie ebenso wie die Leute auf dem Bildschirme ein „Rrring! Rrring!“ Telefon und eine „Dingdong!“-Türglocke haben. Besitzt jemand kein Telefon, besteht keinerlei Verwechslungsgefahr im praktischen Leben, nur etwas Unmut breitet sich aus, wenn jemand mit einer „Rrring! Rrring!“-Türglocke jemanden im Fernsehen nach eben diesem Geräusche den Telefonhörer abheben sieht. Am wenigsten gefährdet in dieser Hinsicht sind Leute, die nicht einmal im Besitze einer Tür sind, was einerseits natürlich bedauerlich ist, da sie somit wohl auch nicht eine Wohnung ihr Eigen nennen können, aber andererseits können sie durch die Flimmerkiste auch nicht auch noch verwirrt werden.
So, jetzt habe ich ausführlich über Telefon- und Haustürklingeltöne referiert, Vorschläge zur Neugestaltung deutscher Euro-Münzen unterbreitet, ein wenig von meiner Jugend erzählt – das ist doch nicht gerade wenig. Da möge man es mir verzeihen, wenn mein Kopf jetzt ebenso leer ist wie die vorhin erwähnte Tüte voller Lakritze und mir partout keine vernünftige Überschrift – die ich mir bisweilen zuletzt ausdenke – einfallen will.
Zudem unterbindet Nachtarbeit mittels Schlafunterdrückung solch dämliche Träume, wie mir erst neulich wieder einer über die Hirnrinde geisterte: Ich fuhr mit einer Bergaufbahn in Österreich aufwärts. Wobei Bergaufbahn eigentlich ein blödes Wort ist, das es wohl auch gar nicht gibt. Ich ziehe hiermit meinen Neologismus zurück und benutze das bereits vorhandene Wort Bergbahn, denn wenn eine Bahn bergauf fährt, muß sie ja irgendwann auch wieder bergab fahren. Genau das tat meine Traumbahn jedoch nicht; vielmehr fuhren wir immer höher, bis die Kirchturmspitzen der Bergdörfer schon im Wortsinne umwölkt waren. Ich entsinne mich auch noch meines Ausbruches von Panik, denn ich habe fürchterliche Höhenangst, und die Bahntrasse war einspurig und ähnelte in ihrem Aufbaue einer Sprungschanze beim Skispringen. Zu allem Ungemache gesellte sich auch noch ein rauher Bergwind hinzu, so daß ich es vorzog aufzuwachen. Somit werde ich wohl nie erfahren, wohin die Reise denn ging – vielleicht zur Himmelspforte? Es wäre mir aber ein sehr unangenehmer Gedanke zu wissen und am Ende gar verkünden zu müssen, daß der Himmel ausgerechnet über Österreich läge. Nicht daß ich etwas gegen dieses Land oder seine Bewohner vorzubringen hätte, aber ein klein wenig lokalpatriotisch bin ich doch schon und zöge es vor, den Himmel über meiner Heimat zu wissen.
Für Österreich dagegen sprechen die hübsch gestalteten Euro-Münzen, von deren Vielfalt an Motiven wir Deutschen uns ruhig eine Scheibe hätten abschneiden können, statt Blattwerk mit einer sichtlich verschämt hervorlugenden Eichel auf Metall zu bannen. Unsäglich auch diese Mistforke mit der Quadriga obendrauf, die wohl für Deutschlands Einheit stehen soll, aber einfach nur ein furchtbares Bauwerk, lange Zeit schamhaft verhüllt, in Berlin ist. Hätten wir nicht Goethe, Bach oder meinetwegen auch Käte Strobel portraitieren können? Nein, dort prangt unsere fürchterliche fette Henne, deren Zuschnitt unverkennbar in der Kohl-Ära liegt.
„Das eingesetzte Geliermittel Agar-Agar ist rein pflanzlich.“ Dieser Satz auf meiner Lakritztüte, die ich gerade vor mir liegen habe und zu leeren gedenke, bringt mich auf vielerlei Gedanken meinen Chemieunterricht betreffend. Meine Chemielehrerin war ein herrliches Eifelanergewächs, was sich vor allem in aufreibenden Situationen äußerte: „Wat macht ihr mir füren Sauerei mitte methanolische KOH?! Wat steht ihr all hier vorn rum? Geht nach hinten, und zieht euch euer Schutzbrillen an! Un wenn die Weiber da hinten endlich mal aufhören würden zu gacksen, könnte ma heut och ma anfangen!“ Aus unerfindlichen Gründen wählte ich später Chemie als Leistungskurs, was sich spätestens zu dem Zeitpunkte, als ich mich aufgrund falscher Riechtechnik am Ether aus eigener Herstellung selbst berauschte und zu Boden schickte, als Fehlentscheidung entpuppte.
Eine Fehlentscheidung hinsichtlich einer Telefonnummer ist auch recht unangenehm, zumal für den Angerufenen. Meist kommen solche Telefonate auch just in recht prekären Situationen, etwa beim Spülen, während des Milchüberkochen- bzw. Wasserlassens oder gar beim Duschen. Eiliges Herumrennen in der Wohnung in Fensternähe ohne Bekleidung mag vielleicht spannende Nachbarn beglücken, eine infolge eines Fehlrufes zugezogene Lungenentzündung jedoch wollte ich nicht auf meinem Gewissen haben. Wenn Falschwähler wenigstens den Schneid hätten, kurz zu sagen, daß sie sich verwählt hätte, doch nein, blitzschnell liegt der Hörer auf der Gabel und wird zwecks erneuten Terrors wieder emporgehoben. „Rrring! Rrring!“ ertönt es dann am anderen Ende der Leitung. Menschen mit einer Türklingel, die in ähnlicher Manier sich äußert, laufen hier gar Gefahr, nackend die Tür zu öffnen und für alle Zeit in der Nachbarschaft wie ein Aussätziger behandelt zu werden! Ich entsinne mich, daß ich einmal in einem solchen Zustande ganz in Gedanken einem Versicherungsmakler die Tür öffnete. Entsetzte Blicke trafen mich, und nach einem kurzen, aber doch zu langen Augenblicke des Innehaltens schlug ich die Tür wieder zu, um mir etwas überzustreifen. Ich bekam übrigens keinerlei Angebote von der Versicherung.
Aber die meisten Telefone haben heute ohnehin einstellbare, höchst unterschiedliche Klingeltöne, die ganz bestimmt nicht mit der Türklingel verwechselt werden können, und eine Türklingel, die durch ein einfaches „Dingdong!“ Eintritt begehrende Menschen ankündigt, leistet ebenso ihr Scherflein im Sinne der Verwechslungsgefahrsbannung. Dieses Wort hätte Mark Twain sicher gefallen, um es als abschreckendes Beispiel der Komplexität deutscher Sprache anzuführen. Der braucht aber gar nicht zu mosern, denn so kompliziert unsere Sprache ist, so primitiv scheinen amerikanische Telefone zu sein: Selbst wenn sie neusten Baujahres sind, geben sie noch ihr altmodisches „Rrring! Rrring!“ von sich, was nicht auf hochgradige Diffizilität der Fernsprecher schließen läßt. Das weiß ich von amerikanischen Filmen und Serien. Vielleicht ist das aber auch nur eine Festlegung der Synchronstudios, eine DIN zur Synchronisation ausländischer Telefone. Die Türklingeln der Filme und Serien hingegen geben in der synchronisierten Fassung immer nur „Dingdong!“ von sich. Das ist vielleicht auch zur auch intellektuellen Entlastung des deutschen Publikums (bzw. deutschsprachigen, denn Schweizer, Österreicher, Luxemburger, Liechtensteiner, Belgier und Namibianer dürfen selbstverständlich auch zusehen), damit es nicht etwa durcheinanderkommt, wenn jemand nach einem „Rrring! Rrring!“ an die Tür geht; auch wenn es solche Klingeltöne, wie oben beschrieben, gibt. Doch im Fernsehen hat alles seine Ordnung. Daher sind Menschen auch weniger verwirrt, wenn sie ebenso wie die Leute auf dem Bildschirme ein „Rrring! Rrring!“ Telefon und eine „Dingdong!“-Türglocke haben. Besitzt jemand kein Telefon, besteht keinerlei Verwechslungsgefahr im praktischen Leben, nur etwas Unmut breitet sich aus, wenn jemand mit einer „Rrring! Rrring!“-Türglocke jemanden im Fernsehen nach eben diesem Geräusche den Telefonhörer abheben sieht. Am wenigsten gefährdet in dieser Hinsicht sind Leute, die nicht einmal im Besitze einer Tür sind, was einerseits natürlich bedauerlich ist, da sie somit wohl auch nicht eine Wohnung ihr Eigen nennen können, aber andererseits können sie durch die Flimmerkiste auch nicht auch noch verwirrt werden.
So, jetzt habe ich ausführlich über Telefon- und Haustürklingeltöne referiert, Vorschläge zur Neugestaltung deutscher Euro-Münzen unterbreitet, ein wenig von meiner Jugend erzählt – das ist doch nicht gerade wenig. Da möge man es mir verzeihen, wenn mein Kopf jetzt ebenso leer ist wie die vorhin erwähnte Tüte voller Lakritze und mir partout keine vernünftige Überschrift – die ich mir bisweilen zuletzt ausdenke – einfallen will.
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